Rosenmontag und Veilchendienstag mit der Justizministerin und dem Ehrenamtsbeauftragten des Freistaats
Manche Tage sind mehr als Termine im Kalender.
Sie sind Herzschläge.
So waren auch Rosenmontag und Veilchendienstag 2026 für den Landesverband Thüringer Karnevalvereine zwei ganz besondere Kapitel voller Begegnungen, Emotionen und – natürlich – einer ordentlichen Portion närrischer Lebensfreude.
Eigentlich gehört es inzwischen zur schönen Tradition, dass der Thüringer Ministerpräsident selbst an der Rosenmontagstour des Landesverbandes teilnimmt. In diesem Jahr allerdings musste er sich entschuldigen: In Thüringen waren Ferien – und ein junger Ministerpräsident darf in dieser Zeit auch einmal an seine Familie denken.
Doch er ließ die närrische Gemeinschaft nicht allein: Mit Justizministerin Beate Meißner schickte er eine ebenso würdige wie karnevalistisch erfahrene Vertretung.
Denn Meißner ist nicht nur Ministerin – sie ist auch selbst Närrin. Seit vielen Jahren gehört sie dem Faschingsverein Kuckuck Sonneberg e. V. an. Und auch in ihrer Familie spielt der Karneval eine große Rolle: Ihre Tochter war im vergangenen Jahr Kinderprinzessin ihres Vereins. Mit ihr kam also nicht nur politische, sondern auch echte karnevalistische Kompetenz auf die Rosenmontagstour.
Begleitet wurde sie – wie bereits in den vergangenen Jahren – vom Ehrenamtsbeauftragten der Thüringer Staatskanzlei Guntram Wothly, der die Delegation durch diese beiden besonderen Tage führte.
Übrigens hatte der diesjährige Rosenmontag noch eine weitere besondere Note: Am selben Tag feierte der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow seinen 70. Geburtstag.
Und wenn man einen Blick nach vorne wirft, wird der Rosenmontag auch im kommenden Jahr wieder ein bemerkenswertes Datum sein: 2027 wird der amtierende Ministerpräsident Mario Voigt an diesem Tag seinen 50. Geburtstag feiern.
Man könnte also fast sagen: Der Rosenmontag hat in Thüringen ein besonderes Talent dafür, mit runden Geburtstagen von Ministerpräsidenten zusammenzufallen.
Vielleicht ist das auch ein weiteres gutes Argument für eine alte „Forderung“ der Thüringer Narren:
Der Rosenmontag sollte endlich offizieller Feiertag werden.
Bis dahin aber bleibt er das, was er schon heute ist – ein ganz besonderer Tag im Freistaat.
Rosenmontag: Von kleinen Bühnen und großen Momenten
Der Startschuss fiel im Kindergarten Pfiffikus in Ichtershausen.
Gemeinsam mit dem Ichtershäuser Carnevalverein hatten die Kleinsten ein liebevolles Programm vorbereitet. Es war einer dieser Momente, in denen man spürt, warum Karneval mehr ist als Konfetti: Hier wächst Zukunft. Hier wird Brauchtum weitergegeben.
Mit dabei: der Ehrenamtsbeauftragte der Thüringer Staatskanzlei – und in Vertretung für Ministerpräsident Mario Voigt die Thüringer Justizministerin Beate Meißner.
Und sie ist nicht nur politisch verbunden, sondern auch karnevalistisch verwurzelt – als langjähriges Mitglied im Faschingsverein Kuckuck Sonneberg e. V., ein echtes Faschings“Kind“.
Vacha: Regen? Egal!
Weiter ging es nach Vacha.
Dort erwartete der Carneval Club Vacha die Delegation – inklusive Landesprinzenpaar – mit einem herzlichen Empfang.
Dann hieß es: rauf auf den Wagen!
Das Wetter spielte nicht ganz mit – aber wann hätte das echte Närrinnen und Narren je gebremst? Die Stadt an der Werra wurde zur Bühne, der Umzug zum bunten Band aus Musik, Lachen und gelebtem Ehrenamt.
Nach dem Umzug ging es noch kurz in die Vereinsräume des CCV – bevor der Tag plötzlich Fahrt aufnahm.
Im Eifer des Gefechts standen Ehrenamtsbeauftragter und Ministerin plötzlich auf der Bühne der After-Umzugsparty im Vachwerk.
Und mittendrin: Landesprinz Steven.
Der Bempel auf Thüringenreise
Was dann geschah, wird in die karnevalistische Geschichtsschreibung eingehen:
Der „Kelch der karnevalistischen Lebensfreude“ – besser bekannt als der Bempel – wurde im Trubel schlicht vergessen.
Während die Delegation bereits Richtung Abendprogramm unterwegs war, trat der Kelch seine ganz eigene Thüringenreise an.
Vom Umzugswagen über Busstationen bis zur Abendveranstaltung am Veilchendienstag.
Aus dieser Odyssee entstand kurzerhand ein Video – mit augenzwinkernder Dramaturgie – das am Veilchendienstag für große Erheiterung sorgte. Und schließlich wurde der Bempel feierlich zurückgegeben.
Doch der Fauxpas bleibt nicht folgenlos:
Da der bisherige Kelch nach zehn Jahren nun „voll“ ist – jedes Landesprinzenpaar hat sich dort verewigt – droht Landesprinz Steven 2026 eine besondere Aufgabe: Er darf den neuen „Kelch der karnevalistischen Lebensfreude“ stiften.
McDonald’s, Jubiläen und 66 Jahre Herzblut
Bevor es nach Bad Blankenburg ging, stärkte sich die Delegation ganz bodenständig bei McDonald’s in Arnstadt.
Karneval kann Glamour – aber auch Pommes.
Am Abend erwartete der Bad Blankenburger Carneval Club die Gäste mit einem großartigen Programm zum 66-jährigen Jubiläum des Elferrates.
Ein Abend voller Würde, Witz und Tradition.
Spät am Abend wurden Ehrenamtsbeauftragter und Ministerin verabschiedet – die LTK-Delegation brachte den Ehrenamtsbeauftragten noch nach Jena, bevor es selbst ins Hotel nach Erfurt ging.
Viel Schlaf blieb in dieser Nacht nicht – denn der nächste Höhepunkt wartete bereits am Veilchendienstagmorgen.
Veilchendienstag im Kaisersaal
Am nächsten Morgen dann ein festlicher Rahmen:
Der traditionelle Empfang der Prinzenpaare durch den Ehrenamtsbeauftragten der Thüringer Staatskanzlei und die Thüringer Justizministerin – diesmal im prunkvollen Erfurter Kaisersaal.
Aus allen Regionen des Freistaates waren Prinzenpaare, Kinderprinzenpaare sowie Vereinspräsidentinnen und -präsidenten angereist. Gemeinsam mit dem Präsidium des Landesverbandes Thüringer Karnevalvereine bildeten sie ein buntes Bild der karnevalistischen Vielfalt des Landes. Der Kaisersaal wurde so für einen Vormittag zum Treffpunkt der närrischen Spitzen Thüringens.
Rede des Landespräsidenten Christoph Matthes
Es ist ein besonderer Moment, wenn sich Politik und Brauchtum begegnen.
Nicht, weil wir heute die Rollen tauschen – keine Sorge, wir übernehmen nicht den Landtag oder die Staatskanzlei.
Aber weil wir zeigen, dass Demokratie mehr ist als Debatte.
Sie ist Begegnung. Sie ist Kultur. Sie ist gemeinsames Lachen.
Und genau hier beginnt der Karneval.
Karneval ist keine Flucht vor der Realität. Er ist ihr Seismograph.
Wir nehmen wahr, was Menschen bewegt.
Wir hören, wo es knirscht.
Wir spüren, wo Unsicherheit wächst.
Steigende Kosten.
Verunsicherung durch globale Krisen.
Polarisierung im öffentlichen Diskurs.
Ein Ton, der rauer wird.
Ein „Wir gegen die“, das schneller ausgesprochen ist als ein „Lasst uns reden“.
Und mitten hinein stellt sich der Karneval – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einer Narrenkappe.
Denn der Narr darf sagen, was andere nur denken.
Er darf zuspitzen, ohne zu verletzen. Er darf kritisieren, ohne zu spalten.
Zumindest ist das unser Anspruch.
Karneval bedeutet Freiheit.
Freiheit, Rollen zu wechseln. Freiheit, Macht humorvoll zu hinterfragen.
Freiheit, auch einmal über sich selbst zu lachen.
Aber Freiheit ohne Verantwortung wird schnell beliebig.
Gerade in einer Zeit, in der Worte Wirkung entfalten wie selten zuvor, stehen auch wir in der Pflicht.
Bütt und Bühne sind keine rechtsfreien Räume.
Sie sind öffentliche Räume.
Wir wissen: Humor kann verbinden – oder ausgrenzen.
Er kann Brücken bauen – oder Gräben vertiefen.
Darum arbeiten wir als Landesverband intensiv an Themen wie Werteorientierung, Respektkultur und Kinderschutz.
Nicht, weil etwas grundsätzlich falsch läuft.
Sondern weil wir unseren Vereinen Werkzeuge an die Hand geben wollen, damit sie Verantwortung tragen können – für 30.000 Aktive in Thüringen, davon über 13.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Karneval ist Heimat. Und Heimat verpflichtet.
331 Vereine.
Über 1.100 Veranstaltungen pro Saison.
Unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit.
Doch hinter der bunten Fassade stehen reale Herausforderungen: steigende Energiepreise, höhere Sicherheitsauflagen, GEMA-Gebühren, Nachwuchssorgen, zunehmende Bürokratie.
Viele Vereine arbeiten wirtschaftlich am Limit.
Und trotzdem – oder gerade deshalb – erleben wir eine unglaubliche Leidenschaft.
Menschen, die nach Feierabend Bühnen bauen.
Die Kostüme nähen. Die trainieren, organisieren, moderieren.
Nicht für Geld. Sondern für Gemeinschaft.
Ehrenamt ist kein Hobby. Es ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.
Demokratie lebt nicht nur von Gesetzen. Sie lebt von Kultur.
Vom gemeinsamen Feiern. Vom Diskurs.
Vom Aushalten unterschiedlicher Meinungen.
Vom respektvollen Widerspruch.
Karneval ist gelebte Vielfalt.
Auf unseren Bühnen stehen Menschen aller Generationen.
Mit unterschiedlichen Berufen, Hintergründen, Lebensentwürfen.
Und für ein paar Stunden zählt nicht, woher du kommst – sondern dass DU Teil des Ganzen bist.
Das ist kein naiver Idealismus. Das ist gelebte Praxis.
Gerade in Zeiten, in denen einfache Antworten Hochkonjunktur haben, braucht es Orte, an denen Komplexität nicht als Bedrohung empfunden wird, sondern als Bereicherung.
Karneval kann so ein Ort sein.
Und ich sage immer wieder:
Karneval ist Urlaub von sich selbst.
Nicht, weil wir die Augen verschließen. Sondern weil wir lernen, Abstand zu gewinnen. Gedankenhygiene.
Wer lacht, verliert nicht die Ernsthaftigkeit.
Er gewinnt Perspektive. Und wer gemeinsam lacht, schießt nicht aufeinander.
Vielleicht brauchen wir genau das gerade besonders: Mehr Perspektivwechsel. Mehr Selbstironie. Mehr Mut zur Begegnung.
Mein Dank gilt heute allen politischen Verantwortungsträgern, die die Bedeutung von Kultur und Brauchtum erkennen und unterstützen.
Und mein Dank gilt vor allem den Ehrenamtlichen in unseren Vereinen.
Sie tragen nicht nur Narrenkappen – sie tragen Verantwortung.
Für Tradition. Für Gemeinschaft. Für unsere demokratische Kultur.
Wenn Politik und Karneval sich hier begegnen, dann nicht als Gegensätze, sondern als Partner.
Beide leben von Vertrauen. Beide leben von Beteiligung.
Beide leben davon, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen,
dass der Ton in unserem Land respektvoll bleibt,
dass Vielfalt als Stärke verstanden wird
und dass das Lachen nie zum Schweigen gebracht wird.
Denn wo Humor verstummt, beginnt die Verhärtung.
In diesem Sinne: Auf ein starkes Thüringen.
Auf eine lebendige Demokratie.
Thüringen – Helau!
Rede des Ehrenamtsbeauftragten Guntram Wothly
Rede der Thüringer Justizministerin Beate Meißner
Sehr geehrte/r:
Guntram Wothly [Ehrenamtsbeauftragter der Thüringer Staatskanzlei],
Christoph Matthes [Präsident Landesverband Thüringer Karnevalvereine],
Präsidium des Landesverbands [Thüringer Karnevalvereine],
Närrinnen und Narren aus dem ganzen Freistaat,
als Ministerin kenn ich mich mit Narren aus.
Miesepetrigkeit ist mir ein Graus.
Doch statt Zank und Schimpf im Parlament
herrscht heut’ ein freudig Narrenregiment.
Das lässt mich den Ärger fürs Erste vergessen,
mein Sonneberger Narrenherz ruft stattdessen:
Kuckuck Helau! und willkommen in Erfordia.
Liebe Närrinnen und Narren,
Thüringen ist so bunt wie der Karneval.
Das sehen wir heute besonders hier im Kaisersaal.
Aus dem ganzen Freistaat sind heute Vereine nach Erfurt gekommen, um Brauchtum und Gemeinschaft zu feiern.
Ich möchte es daher versuchen, allen Vereinen des Landesverbandes einen Gruß zu schicken.
In Erfurt geht der Fasching mit seinen vielen Vereinen Hand in Hand, nun auch wieder mit Petersberg-Regiment. Hier hat man Narrenfieber und ruft Facedu Helau!
Du muss ein Narr sein, um Narr zu sein, heißt es in Arnstadt.
Die Narrhalla, das weiß jeder hier, liegt in der ältesten Stadt Thüringens. Ein Gruß geht auch an den AKC.
Vielerorts feierten am Valentinstag die Vereine ihre Liebe zum Karneval. Bauerntrachten wurden abgelegt, die Narren an die Macht gesetzt oder ins All geschossen.
Es feiern die Foßbschen, die Bräetmicher, die Bergschen, die Kuckucksnarren und Helbespatzen, die Brummochsen und die Ziegen auf dem Berg.
Es tanzen die Hörselgauer Weinbergschnecken und die Geismarer Enten.
Es geht der Erbsbär durch Ringleben und die Flotten Lotten in Pößneck.
Hig Hig Helau! Doch: „Gelle, gelle, gelle, am schönsten ist’s … in Zelle.“
Überall lässt es sich gut feiern, sagt der Jangeldorfer Ministerrat. Und auch wenn unser Ministerpräsident alle Vereine mag, am liebsten ruft er doch: Jene Gelle!
Liebe Närrinnen und Narren,
lasst uns heute nicht streiten, wo es am lustigsten ist.
Die Bärenfängerhalle ist ausverkauft, die Beat Buben haben Furre zum Tanzen gebracht. Es kracht der Dorfkrug beim „Ohmfeld Helau!“ und der Esel in Dingelstädt.
In Schwansee tanzt das ganze Dorf Ballett, in Roßleben singen alle mit. Die Siewicher fliegen übers Dach und Tacheldi feiert bis zur letzten Stunde. Die Ziegelheimer sind zu jedem Spaß bereit, Wandersleben schickt uns ins Urlaubsglück, im Waldfrieden unkt es märchenhaft und Greußen schwingt das Tanzbein.
So geht es schon seit Jahrzehnten in Thüringen. Nichts verdirbt den Narren die gute Laune.
„Sondervermögen Helau und Hurra“, ruft es in Slusia und die Narren dort fragen sich: Ist das Geld wirklich da?
„130 Joahr, wir ham noch lang net genug“, singen die Narren in Themar. Was im Süden schon über hundert Jahre währt, wird im Norden wiederbelebt: Oberdorla macht den Fasching in der Vogtei wieder groß.
Huria und HCV Helau! Grüße auch nach Glasschösse und Granowwe! Geimel Helau!
Puh, s’gett drüm rüm in Milz und mit Konfetti und viel Lachen lassen es die Hayner ordentlich krachen. Es lacht Marksuhl und Hichelheim lässt es tanzen. Von Gebesee schallt es bis hierher.
Der Motorfasching lockt in Altenburg und aus dem Eiermannbau kommt die Europäische Narren-Delegation.
60 Jahre Karneval in Bürgel, 45 in Cursdorf. Überall bringen die Narren Menschen zusammen. In Teichwolframsdorf in diesem Jahr sogar Gangster, Gauner und Spione.
Ein Kessel Buntes bietet Bad Tennstedt. Hütes, Brüh und Karneval gibt’s bei der Ikalla in Suhl. Diedorf bot das erste Kindertanz-Festival und in Dorndorf war Damengala.
A bann jeder klööt, zum Crisleser Karneval gibt’s ömmer Frööd.
Und während die Oberweißbacher durch den Schnee robben, Herzog Georg beim Surbörner Carneval gastiert,
die Rosa Funken-Cheerleader sich warm tanzen und das Männerballett in Merxleben ungeduldig wartet, heißt’s in Meiningen: Endlich därf ma widda.
Remmedi Helau! und Liebesgrüße aus der Seilerstadt.
Bretleben Helau! und Melli Pally Urlaubsgrüße aus Mellenbach.
Allerorten heißt es noch bis Aschermittwoch: Ich zähl bis 3, dann ist hier Karneval!
Ob in Dachwig auf dem Highway to Helau, in Ichtershausen aus der Neuen Mitte, ob abgetaucht beim Weiberfasching in Hildburghausen oder zurück in die Vergangenheit in Laasdorf:
Wo sich Menschen in Freude und als Freunde begegnen, da stärkt das unser Zusammenleben – nicht nur in der fünften Jahreszeit.
Gute Laune und der Blick auf das Gute in unserem schönen Freistaat, das hebt zu jeder Zeit das Herz. Und das sollten wir wieder öfter tun.
So wie in Mühlberg und Niederorschel, die den Karneval dieses Jahr sportlich angehen.
So wie in Unterbreizbach, wenn alle singen: „Wir haben selbst Humor“.
So wie in Sitzendorf, wo der Verein zum Mitmachen einlädt, oder Stützerbach, wo die Narren gute Laune ins Weltall bringen.
Bleiben noch Großbrüchter und Trebenia, Schönau und Barchfeld. Hier und überall sonst kommen die Menschen zurzeit zusammen, pflegen Brauchtum und Tradition und haben Spaß.
Liebe Närrinnen und Narren,
Karneval steht für Zusammenhalt und ein echtes Wir-Gefühl.
Euer ehrenamtliches Engagement ist unbezahlbar und nicht selbstverständlich. Damit meine ich nicht zuletzt auch die Familien, die hinter euch stehen.
Ihr, die ihr hier steht und wider die Miesepetrigkeit mit Humor und Witz den Finger in manch Wunde legt und der Politik den Spiegel vorhaltet – ihr Narren seid von unschätzbarem Wert für unseren Freistaat.
Euch gilt mein Dank:
• Für jedes Lachen, das Menschen verbindet
• Für jeden Witz, der Schweres leichter ertragen lässt
• Für jeden Tanz, der das Herz leicht macht
Doch genug der warmen Worte. Wir wollen heute feiern und das grüne Herz kräftig schlagen lassen.
Deshalb rufe ich ein lautes:
„Thuringia verdum Helau!“
Nach der Begrüßung folgte ein abwechslungsreiches Programm mit musikalischen und tänzerischen Beiträgen, bevor die Vertreter des Landes und des Verbandes ihre Grußworte an die Gäste richteten.
Ein würdevoller Moment.
Ein Zeichen der Anerkennung für das Ehrenamt.
Abschmücken mit Tränen – und einer Milchkanne
Am Abend ging es für eine große Abordnung des LTK – inklusive Kevin Neon, der dem Landesprinzenpaar noch einmal einen besonderen musikalischen Auftritt schenkte – zurück nach Vacha. Dort wartete der letzte große Moment dieser Session: das traditionelle Abschmücken.
Wieder 66 Jahre Karneval in Vacha.
Und wieder ein Abend voller Emotionen.
Doch gleich zu Beginn sorgte das Landesprinzenpaar für eine Überraschung. Denn der eigentliche „Kelch der karnevalistischen Lebensfreude“ – der berühmte Bempel – war ja seit dem Rosenmontag auf rätselhafte Weise verschwunden.
Also musste Ersatz her.
Mit einem Augenzwinkern überreichten Prinzessin Manuela II. und Prinz Steven I. zunächst eine kleine, alte Milchkanne, die kurzerhand zum „Kelch der bunten karnevalistischen Lebensfreude“ umfunktioniert worden war. Der improvisierte Kelch wurde unter großem Gelächter und Applaus symbolisch übergeben – ein humorvoller Moment, der zeigte, dass im Karneval selbst kleine Pannen mit Kreativität und Charme gelöst werden können.
Doch die Geschichte war damit noch nicht zu Ende.
Zu späterer Stunde wurde im Saal plötzlich das Licht gedimmt. Auf der Leinwand begann ein Video – und schnell wurde klar: Der verschollene Bempel hatte in den vergangenen rund 30 Stunden eine ganz eigene Reise erlebt.
Vom Umzugswagen in Vacha über verschiedene Stationen quer durch Thüringen bis hin zur Rückkehr zur Veilchendienstagsveranstaltung – der „Kelch der karnevalistischen Lebensfreude“ hatte eine kleine Rundreise durch den Freistaat hinter sich. Die Bilder sorgten für viel Gelächter, Applaus und zahlreiche erstaunte Gesichter im Saal.
Und dann war er plötzlich wieder da.
Der echte Bempel kehrte feierlich zurück auf die Bühne – und wurde unter großem Jubel wieder mit seiner improvisierten Vertretung vereint: der kleinen Milchkanne.
Gemeinsam mit einem QR-Code zum Video dieser Thüringenreise werden beide nun künftig im Karnevalsmuseum Wasungen ihren Platz finden – als Erinnerung an eine Session, die neben vielen Höhepunkten auch diese ganz besondere Geschichte geschrieben hat.
Doch nach diesem humorvollen Höhepunkt wurde es noch einmal emotional.
Denn das Abschmücken markiert im Karneval immer auch den Moment, in dem eine lange Session zu Ende geht. Orden, Insignien und Zeichen der Regentschaft werden abgelegt – und damit auch ein Jahr voller Begegnungen, Auftritte, Reisen und gemeinsamer Erinnerungen.
Tränen, Umarmungen und lange Applausmomente machten deutlich:
Diese Session wird vielen noch lange im Herzen bleiben.
Und so endete der Abend in Vacha – nicht nur mit Musik und guter Laune, sondern auch mit der Gewissheit, dass der Karneval in Thüringen vor allem eines ist: Gemeinschaft, die verbindet.
Zwei Tage, die bleiben
Was bleibt?
Kindergartenlachen.
Regen, der niemanden aufhält.
Ein Kelch auf Wanderschaft.
Pommes zwischen Protokoll und Prunk.
66 Jahre gelebtes Ehrenamt.
Und ein Kaisersaal voller Wertschätzung.
Rosenmontag und Veilchendienstag 2026 haben einmal mehr gezeigt:
Manche Tage sind mehr als Termine im Kalender.
Sie sind Herzschläge des Thüringer Karnevals.
Er ist Begegnung.
Er ist Gemeinschaft.
Er ist Thüringen.
Und manchmal braucht es eben einen verlorenen Bempel, um zu zeigen, wie groß die karnevalistische Lebensfreude wirklich ist. 🎭